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Liebe Freunde des Tinkers, liebe Züchter dieser tollen Rasse,

gerne gebe ich die Erklärung ab, weshalb ich Copal nicht aus der Zucht nehme, obwohl er die Gen-Mutation PSSM 1 in sich trägt.

Im letzten Jahr wurde ein riesiger Stein durch einen Beschluss der Mitglieder der ICS Nederland losgetreten, als diese beschlossen, Hengste mit der Gen-Mutation PSSM 1 ab Januar 2015 nicht zur Zucht zuzulassen.
Die Diskussion um PSSM ist nun in aller Munde. Viele Züchter bangen um ihre Zukunft, wenn ihre Tiere diese Gen-Mutation aufweisen. Ein Tier mit PSSM 1 ist nun nicht mehr bzw. nur mit erheblichen Geldeinbußen verkäuflich.

Leider wissen die wenigsten, wie diese Gen-Mutation entstanden ist und was sie für ein betroffenes Pferd bedeutet. Als erstes möchte ich ganz klar hervorheben, dass ein gentragendes Pferd nicht zwangsläufig ein erkranktes ist oder erkranken wird.
Mein Copal ist ein doppelter Träger der Gen-Mutation und, laut Laboklin, hat er eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit an der Krankheit PSSM zu erkranken.
Davon kann bei Copal, trotz Kraftfuttergabe keine Rede sein. Er hat zu keiner Zeit Symptome einer PSSM gezeigt, wie Kreuzverschlag, Muskelatrophie, Bewegungsunlust, übermäßiges Schwitzen usw., trotz sehr intensiver Arbeit vor der Kutsche!

Ich beschäftige mich schon seit etlichen Jahren mit der Pferdegesundheit, artgerechter Haltung und Fütterung unserer Vierbeiner und nachfolgend beziehe ich mich auch auf Frau Dr. Christina Fritz, Biologin,Therapeutin und Fachbuchautorin aus Berlin.
Diese spricht mir aus der Seele und bestätigt durch ihren Ausführungen, meine Erfahrungen.

PSSM ist eine Mutation auf Leistung!

Eine genetische Veränderung, die sich durch viele Pferderassen der Welt zieht, muss aus Sicht der Menschen, die regulierend in die Zucht eingreifen, erstrebenswert sein. Die langen Mähnen und Kötenbehänge unserer Tinker sind auch eine genetische Veränderungen, die durch die Zucht und Selektion entstanden ist. Das Urpferd hat weder Mähne noch solch üppigen Kötenbehänge.

PSSM findet man auffallend häufig in den sogenannten „Leistungzuchtlinien“ bzw. bei den echten Arbeitspferden.
Die Gen-Mutatiom PSSM macht Sinn, wenn energiearmes Futter optimal für möglichst viel Leistung genutzt werden soll. Denken wir hier an den Ursprung des Tinkers als Arbeitspferd des fahrenden Volkes. Dort musste der Tinker eine hohe Arbeitsleistung erbringen, sollte sich aber idealerweise "vom Wegesrand" ernähren können. Dies war sicher ein Zuchtkriterium.

Wenn PSSM Pferde erst bei wirklicher Arbeitsleistung energie- und stärkereicher gefüttert werden, ansonsten aber mit Heu und bedarfsgerechter Mineralisierung gehalten werden, zeigen diese Pferde sich in der Regel symptomfrei.
Deshalb müsste man eigentlich PSSM Symptomatiken zu den Wohlstandserkrankungen, wie z.B. fütterungsbedingte Hufrehe, EMS u.a., rechnen. Symptome entstehen bei zu viel Futter bei gleichzeitig geringer oder keiner Leistungsanforderung!

In der heutigen Zeit werden die Pferde überwiegend als Freizeitpartner gehalten, die wenig oder gar keine Leistung erbringen müssen. Ein bisschen Platzarbeit oder ein gemütlicher Ausritt gehören zum normalen Grundumsatz, muss doch das Pferd sein Futter nicht mehr selbst mühevoll in der Tundra oder Steppe suchen, sondern bekommt rund um das Jahr einen gefüllten Teller in Form von Hochleistungsgräsern im Sommer, eigentlich für Kühe gedacht, die zwischen 20-40 Liter Milch am Tag geben müssen, entsprechendem Heu von diesen Hochleistungsäckern und dazu noch eine Schippe Kraftfutter, vorgesetzt.
Unter diesen Bedingungen tritt PSSM, die vermutlich schon eine sehr alte Erkrankung ist, früher aber selten auftrat, weil weniger energiereich gefüttert wurde, öfter auf.

PSSM Typ 1 wird dominant vererbt, d.h. wenn ein Elternteil diese genetische Variante aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Fohlen sie ebenfalls hat, sehr hoch. Würde diese Mutation bei Wildpferden immer zum Ausbruch der Krankheit geführt haben, wären Pferde vermutlich ausgestorben. Bei den Wildpferden konnte diese Mutation durchaus von Vorteil gewesen sein. Die starke Verbreitung der genetischen PSSM Genvarianten bei Pferden und das Ausbleiben von Krankheitssymptomen bei artgerechter Ernährung führt zu der Theorie, dass es sich um eine evolutive Anpassung von Pferden an besonders energiearmes Futter handelt.

Ist ein Tier an PSSM erkrankt, soll dieses am besten in einem Offenstall untergebracht werden, wo es sich im Schritt bewegen kann. Zusätzlich sollte der Grundbedarf über eine entsprechende Menge an Heu gedeckt werden, sowie eine bedarfsgerechte Mineralisierung erfolgen und nur bei wirklicher Arbeitsbelastung Kraftfutter gegeben werden.
Dies gilt für mich für jedes Pferd, egal ob Wamrblut oder Kaltblut, ob Hengst, Wallach oder Stute! Dazu muss es doch nicht erst krank werden, oder?!

Im Klartext: halte es „artgerecht“ und füttere es bedarfsgerecht!

In dieser Aussage liegt für mich auch die Tatsache begründet, dass ich noch von keinem Tinker gehört habe, der an PSSM erkrankt ist, sicher gibt es auch in dieser Rasse erkrankte Tiere. Aber in aller Regel sind die Tinkermenschen sehr am Wohl ihrer Pferde interessiert. So findet man doch selten den Tinker in einer reinen Boxenhaltung und, dass unsere Pferdchen leichtfuttrig sind, ist ja nichts Neues!!

Dies ist der Hintergrund weshalb ich beschlossen habe meinen Copal nicht aus der Zucht zu nehmen, obwohl er diese Gen-Mutation in sich trägt. Er selbst hat nie irgendwelche Symptome gezeigt, er ist leistungsfähig und leistungswillig. Er bekommt täglich Kraftfutter, auch Hafer und Mais, in der Menge seiner Leistung angepasst. Ansonsten hat er ständig Zugang zu Heu, bekommt natürliche Mineralien und darf ganzjährig zugeteilt auf die Weide.

PSSM ist keine Krankheit im eigentliche Sinn sondern nur ein Ergebnis einer falschen Haltung und Fütterung. Wenn ein solch falsch gehaltenes Pferd keine PSSM Gen-Mutation trägt, würde es möglicherweise an Hufrehe oder EMS erkranken.
Abschließend möchte ich noch folgendes zum Nachdenken mitgeben: Ein Ausschluss von PSSM 1 Trägern aus Zucht, macht aus einem leichtfuttrigen Pferd kein schwerfuttriges.

Einen verantwortungsvollen Umgang mit Ihrem Pferd kann Ihnen kein Zuchtverband durch ein „Zuchtverbot“ eintrichtern, den müssen Sie schon selbst an den Tag legen!